1.7.1.1.Judikatur zu Testament und Kodizill

Kodizille sind letztwillige Verfügungen ohne Erbeneinsetzung. Für deren Errichtung gelten dieselben Formvorschriften wie für Testamente.

müssen die Sprache des Erblassers verstehen: OGH 14.04.2011, 6 Ob 67/11p, iFamZ 2011/209, 289. Der Lebensgefährte ist tauglicher Testamentszeuge, weil er - anders als der Ehegatte - in der Aufzählung der zeugnisunfähigen Personen des § 594 ABGB nicht genannt ist: OGH 28.04.2003, 7 Ob 64/03t, JBl 2003, 851.

Das eigenhändige Testament ist nur gültig mit eigenhändiger Unterschrift des Erblassers. Bloße Initialen genügen, wenn keine Zweifel an Identität und Testierwillen bestehen: OGH 30.11.2004, 4 Ob 237/04p, EvBl 2005/93, 423. Fremdhändige Einträge in ein eigenhändiges Testament gelten als nicht geschrieben: OGH 15.03.2007, 8 Ob 10/07i, EvBl 2007/103, 594 = EF-Z 2007/113, 185.

Besonders wichtig sind die Formvorschriften beim gemeinsamen eigenhändigen Testament von Ehegatten: OGH 29.03.2006, 7 Ob 292/05z, EF-Z 2006/32, 57.

Bei der Prüfung der Testierfähigkeit braucht der Notar keine aufwendigen Untersuchungen einzuleiten. Es genügt, wenn er dazu seine Lebenserfahrung und seine juristischen Kenntnisse benützt: OGH 14.07.2005, 6 Ob 129/05x, ecolex 2006/1, 23 = RdW 2006/76, 84 = JBl 2006, 257. Bei Besachwalterten muß er dem Testament eine entsprechende Erklärung beifügen, sonst ist es ungültig (§ 568 ABGB): OGH 17.02.2006, 10 Ob 81/05t, EF-Z 2006/55, 96; OGH 24.01.2008, 6 Ob 282/07z, EF-Z 2008/90, 149.

Wer sich arglistig auf ein - gar nicht errichtetes - mündliches Testament beruft, ist erbunwürdig: OGH 23.02.2009, 8 Ob 112/08s, NZ 2009/55, 205 = EvBl 2009/94, 659.

Zur Beweislast bei Motivirrtum des Erblassers: OGH 15.05.2014, 6 Ob 168/13v, EvBl 2014/119, 741.

Eine letztwillige Verfügung kann auch stillschweigend widerrufen werden. Es genügt dazu jede Einwirkung auf die Urkunde, die zweifelsfrei auf einen solchen Widerrufswillen schließen läßt: OGH 14.03.2006, 4 Ob 17/06p, EvBl 2006/97, 537 = JBl 2006, 647 (Von zwei Originalen irrtümlich nur eines vernichtet).

Ein späteres Testament hebt ein früheres Kodizill nur dann auf, wenn sich aus dem Testament ein solcher Wille ergibt: OGH 06.04.2006, 6 Ob 18/06z, EF-Z 2006/33, 58.

Zum Nottestament siehe Tschugguel, Das Nottestament - Voraussetzungen, Konversion, Änderungsbedarf, NZ 2009/36, 129. Rechtsunwirksames gemeinschaftliches Testament: OGH 19.11.2014, 3 Ob 164/14k, EF-Z 2015/52, 90 (Nur 2 Zeugen).

Die Beweislast für die Echtheit eines eigenhändigen Testamentes trägt der Testamentserbe: OGH 28.09.2017, 2 Ob 78/17k, EvBl 2018/44, 308.

  • Der Irrtum des Erblassers, NZ 2011/54, 193
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