3.8.3.3.1.Voraussetzungen einer rechtswirksamen Austrittserklärung

1. Rechtzeitigkeit: Auch der Austritt ist unverzüglich auszusprechen. Hier ist der OGH großzügiger. Der Grundsatz der Unverzüglichkeit des Austritts bedürfe einer "verständnisvollen Auslegung": OGH 22.02.2006, 9 ObA 42/05z, wbl 2006/225, 482 (Fußballtrainer). Er dürfe "nicht überspitzt werden": OGH 22.02.2006, 9 ObA 42/06z, ecolex 2006/250, 595 (Mobbing); OGH 03.08.2005, 9 ObA 112/05v, ecolex 2005/453, 933 = EvBl 2005/2, 25 = JBl 2006, 261 = DRdA 2006/26, 294 (sexuelle Belästigung).

2. Lehrlinge können nur aus einem in § 15 Abs.4 BAG taxativ aufgezählten Grund vorzeitig austreten. In anderen Fällen hat eine Austrittserklärung keine Rechtswirkung: OGH 24.02.2009, 9 ObA 153/08b, ecolex 2009/166, 432 = wbl 2009/180, 407 = Arb 12.800 = ZAS 2010/44, 278. Die Austrittserklärung bedarf (auch) der Unterschrift des Lehrlings: OLG Wien 24.08.2009, 8 Ra 80/09g, ARD 6029/4/2010. Sehr großzügig bei der Beurteilung, ob die Austrittserklärung eines Lehrlings rechtzeitig war: OGH 19.12.2014, 8 ObA 64/14s, wbl 2015/90, 283.

3. Schlüssige Austrittserklärungen durch Dienstnehmer dürfen die Gerichte nur nach besonders sorgfältiger Prüfung annehmen: OGH 29.04.2009, 9 ObA 32/09k = OLG Wien, 17.09.2008, 7 Ra 74/08s, ARD 5984/5/2009. Es muß ein klarer Austrittswille erkennbar sein. Bloßes Fernbleiben von der Arbeit wird daher zur Annahme einer schlüssigen Austrittserklärung in der Regel nicht ausreichen: OLG Wien 20.04.2009, 8 Ra 130/08h, ARD 5984/6/2009; OLG Wien 19.01.2010, 8 Ra 158/09b, ARD 6065/11/2010.

Beispiele für schlüssige Austrittserklärungen: OLG Wien 28.10.2009, 7 Ra 71/09a, ARD 6029/3/2010.

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