7.4.4.3.Wiedereinsetzung im Abgabenverfahren

(§§ 308ff BAO; § 71 AVG für div. Landesabgabenverfahren)

1. Keine Wiedereinsetzung für denjenigen, der aufgrund eines Rechtsirrtumes verabsäumt hat, Betriebsausgaben geltend zu machen: VwGH 28.10.2009, 2008/15, 0209, ÖStZB 2010/150, 231.

2. Berufliche oder familiäre Belastung sind kein Wiedereinsetzungsgrund: VwGH 26.02.2009, 2007/09/0003, ARD 5979/5/2009.

3. Mängel in der Fristenverwaltung eines Parteienvertreters schließen die Wiedereinsetzung aus: VwGH 22.12.2005, 2002/15/0109, ÖStZB 2006/380, 471.

4. Parteienvertreter müssen auch verläßliche und erfahrene Kanzleikräfte kontrollieren, ob sie Rechtsmittelfristen richtig bestimmt haben. Nur bei rein manipulativen Tätigkeiten entfällt die Kontrollpflicht. Das Versäumen der Kontrollpflicht ist ein grober Sorgfaltsverstoß und schließt die Wiedereinsetzung in den vorigen Stand aus: VwGH 23.02.2005, 2001/14/0021, ÖStZB 2005/486, 593; VwGH 17.03.2005, 2004/16/0204, ÖStZB 2005/559, 661; VwGH 21.06.2007, 2007/15/0122, ÖStZB 2008/110, 127. Für den Zivilprozeß genauso: OGH 10.05.2005, 1 Ob 77/05p, RdW 2005/707, 618.

Der Parteienvertreter muß Vorbringen dazu erstatten, wie er die Kontrolle über seine Kanzleikräfte ausübt: VwGH 29.03.2007, 2005/16/0258.

5. Wiedereinsetzung auch bei nicht eingeschriebenem Brief möglich: VwGH 14.10.2015, 2013/17/0137, ÖStZB 2016/348, 658 (auf dem Postweg verlorengegangen).

6. Keine Wiedereinsetzung nach ERV-Fehlbedienung: VwGH 30.6.2015, 2015/03/0037.

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