3.4.4.2.Betriebsübung und Rechtsanspruch

Gewährt der Dienstgeber den Dienstnehmern regelmäßig bestimmte Vorteile, ohne Vorbehalte zu machen, so entsteht daraus eine betriebliche Übung, die den Dienstnehmern einen Rechtsanspruch auf Fortführung dieser betrieblichen Übung zuerkennt. Das gilt auch für die regelmäßige Gewährung von Freizeit durch den Dienstgeber: OGH 19.03.2003, 9 ObA 238/02v, ecolex 2003/255, 609; OGH 30.01.2012, 9 ObA 104/11a, ARD 6228/4/2012 = wbl 2012/126, 343 (bezahlte Mittagspause); OGH 28.06.2017, 9 ObA 34/17s, ARD 6559/6/2017 (bezahlte Pause – Post); OGH 19.12.2013, 9 ObA 142/13t, ARD 6388/10/2014 (Zusatzurlaub).

Auf solcherart erworbene Rechte können die Berechtigten auch stillschweigend verzichten. Ein solcher Verzicht ist dann anzunehmen, wenn sich den Ankündigungen des Dienstgebers, die Leistungen künftig nicht mehr zu gewähren, weder Dienstnehmer noch Betriebsrat widersetzen: OGH 23.01.2003, 8 ObA 170/02m, RdW 2004/85, 110 = DRdA 2004/17, 238.

Regelmäßige Verteilung von Freikarten an den Betriebsrat begründet auch nach dreißigjähriger Praxis keinen Rechtsanspruch: OGH 21.05.2007, 8 ObA 4/07g, wbl 2007/221, 491 = ecolex 2007/303, 703 = RdW 2007/761, 742 = DRdA 2008/30, 344 (Staatsoper). Kein Anspruch auf Firmenparkplatz: OGH 15.03.2007, 8 ObA 11/07m, DRdA 2008/28, 336.

  • Rechtswirkungen mündlicher oder konkludenter Vereinbarungen zwischen Betriebsrat und Arbeitgeber, wbl 2007, 522
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