1.4.2.1.Allgemeines zu den Dienstbarkeiten

Servitute können auch durch schlüssiges Verhalten des Belasteten entstehen. Freilich bedarf die Annahme konkludenter Handlungen besonderer Vorsicht: OGH 08.07.2009, 7 Ob 267/08b, ecolex 2009/396, 1044 (Weg durch Bundesforst). Begründung einer Dienstbarkeit durch Ersitzung: OGH 26.01.2017, 3 Ob 232/16p, immolex 2017/93, 291 (Zufahrtsrecht).

Zum Erfordernis der Nützlichkeit oder Bequemlichkeit einer Grunddienstbarkeit: OGH 30.05.2017, 8 Ob 131/16x, NZ 2018/18, 64 (völlige Zwecklosigkeit).

Unterschied der Dienstbarkeit zur Reallast: OGH 29.01.2014, 7 Ob 175/13f, immolex 2015/43, 157.

Der Berechtigte muß sein Recht schonend ausüben. Was das im Einzelfall heißt, wird durch Interessenabwägung ermittelt: OGH 15.12.2008, 4 Ob 217/08b, wobl 2011/25, 52 (Holzbringung). Manchmal sogar Zustimmungspflicht des Servitutsbelasteten: OGH 06.07.2010, 1 Ob 79/10i, NZ 2011/102, 307 (Errichtung Wasserleitung). Regeln für den Gebrauch der sogenannten ungemessenen Servitut, also wenn ihr Umfang nicht klar vereinbart wurde: OGH 25.03.2014, 4 Ob 25/14a, immolex 2014/65, 257.

Die Dienstbarkeit der Schiabfahrt berechtigt nicht zur Veranstaltung von sommerlichen Mountainbikerennen: OGH 29.04.2009, 1 Ob 5/09f, ZVR 2010/7, 20.

Die technische Verbesserung der Rohrleitungen ist eine zulässige Erweiterung der Wasserleitungs-Servitut (§ 477 Abs 2 ABGB): OGH 18.09.2014, 1 Ob 115/14i, ecolex 2015/66 193 (frostsichere Kunststoffverrohrung.

Nicht verbücherte und nicht offenkundige Servitute erlöschen durch gutgläubigen Erwerb der Liegenschaft und müssen allenfalls neu erworben werden: OGH 15.11.2017, 1 Ob 188/17d, EvBl 2018/52, 365 (Wasserbezugsrecht). Bloße Untätigkeit des Erwerbers reicht zum Neuerwerb nicht aus. Bei mehreren Erwerbern muß jeder gutgläubig sein: OGH 06.07.2009, 1 Ob 116/09d, NZ 2010/4, 14.

Ersitzen der Servitutsfreiheit durch unwidersprochenes Widersetzen gegen die Servitutsausübung (§ 1488 ABGB): auch teilweise Freiheitsersitzung möglich, die dann eine Einschränkung der Dienstbarkeit bewirkt: OGH 07.03.2013, 1 Ob 25/13b, EvBl 2014/2, 25 (Fahrweg wird zu Fußweg).

Keine Freiheitsersitzung durch bloßes Hinweisschild: OGH 19.06.2015, 5 Ob 74/15s, Zak 2015/532, 296. Umgekehrt: Hinweisschild verhindert Servitutersitzung: OGH 28.10.2015, 9 Ob 57/15w, Zak 2016/19, 15 (Gehrecht).

Zwecklosigkeit beendet die Servitut ex lege: OGH 18.02.2015, 3 Ob 214/14p, EvBl 2015/119, 846 (neue Zufahrt errichtet).

Bewilligte Bauführung kontra Servitutsverpflichtung: OGH 19.11.2014, 6 Ob 129/14k (Licht, Sonne, Luftzug).

Das Recht auf Betreten des Waldes zu Erholungszwecken (§ 33 Abs 1 ForstG) gilt nicht für kommerzielle Veranstaltungen: OGH 29.11.2017, 1 Ob 211/17m, Zak 2018/50, 35 (Canyoning).

Das Entgelt für die Begründung oder Übertragung einer Dienstbarkeit fällt unter die Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung (§ 28 Abs 1 Z 1 EStG): VwGH 29.07.2010, 2006/15/0317, ÖStZB 2011/90, 146 = wobl 2011/12, 25 (Verkehrsflächen); VwGH 21.12.2010, 2009/15/0046, AnwBl 2011/8278, 193 (Schenkung einer vermieteten Liegenschaft).

Zur Wahlmöglichkeit des Servitutsberechtigten zwischen Servitutenklage nach § 523 ABGB und schlichter Unterlassungsklage: OGH 19.11.2014, 6 Ob 70/14h, immolex 2015/55, 189. Zur Geltendmachung einer grundbücherlich nicht eingetragenen Servitut mittels actio confessoria (§ 523 ABGB): OGH 24.05.2016, 1 Ob 218/15p, EvBl 2016/139, 972 (Wasserbezug aus Quelle).

Die Klage auf Feststellung einer Dienstbarkeit muß gegen alle Miteigentümer der dienenden Liegenschaft gerichtet werden. Sie ist deshalb unmöglich, wenn der Kläger selbst Miteigentümer der dienenden Liegenschaft ist: OGH 19.11.2015, 7 Ob 186/15a, immolex 2016/45, 149 (Gasleitung).

  • Ausbau elektronischer Kommunikationsnetze und Duldungspflichten von Grundeigentümern, bbl 2012, 193
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