1.5.4.1.2.Die Willenserklärung

Willenserklärungen sind so auszulegen, wie sie ein redlicher Erklärungsempfänger nach der Verkehrssitte und den Besonderheiten des Einzelfalles verstehen mußte. Ein redlicher Erklärungsempfänger prüft insbesondere auch mit zumutbarer Aufmerksamkeit, was der Erklärende gemeint haben könnte: OGH 07.02.2008, 9 ObA 150/07k, DRdA 2009/41, 410 (Betriebsrat).

Ungelesenes Unterfertigen einer Vertragsurkunde bindet (nur) dann, wenn der Unterfertigende damit erkennbar Rechtsfolgen herbeiführen will: OLG Wien 22.12.2016, 10 Ra 70/16m, ARD 6553/7/2017 (Dienstvertragsänderung). Wer Vertragsbestimmungen unterfertigt, ohne sie gelesen oder verstanden zu haben, unterwirft sich diesen, soweit sie nicht ungewöhnlich sind: OGH 11.11.2010, 3 Ob 194/10s, EvBl-LS 2011/27, 185 = wobl 2011/94, 216 (Mietvertrag).

Ein Einschreibzettel beweist nur die Aufgabe des Briefes und nicht auch dessen Zugang. Es gibt keine Erfahrungssätze, daß Postsendungen den Empfänger immer erreichen: OGH 30.03.2009, 7 Ob 24/09v, ecolex 2009/215, 584 = JBl 2009, 579 (zu § 39 VersVG); OGH 30.06.2010, 3 Ob 69/10h, ecolex 2010/343, 944 = RdW 2010/761, 767 (Kündigung Bierbezugsvertrag).

Eine E-Mail ist dem Empfänger dann zugekommen, wenn sie abrufbar in dessen Mailbox gespeichert ist. Das Sendeprotokoll ist noch kein Beweis für das Zukommen der Nachricht: OGH 29.11.2007, 2 Ob 108/07g, ecolex 2008/71, 227 = EvBl 2008/70, 365 = RdW 2008/297, 339 = JBl 2008, 324. Ähnlich für Fax-Sendeprotokolle: OGH 30.03.2011, 9 ObA 51/10f, Zak 2011/320, 173 = ecolex 2011/249, 647 = RdW 2011/516, 487 = EvBl 2011/113, 780 = ZAS Judikatur 2011/145, 325 = DRdA 2012/37, 424 (Krankmeldung).

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