1.3.5.1.Unterhalt allgemein

Für Detailfragen siehe auch ▸ Unterhalt des Ehegatten und ▸ Unterhalt des Kindes.

Unterhaltsverpflichtungen gehen allen anderen Verbindlichkeiten vor: OGH 30.08.2011, 10 Ob 57/11x, iFamZ 214, 305 (Kreditverbindlichkeiten).

Zur Unterhaltsbemessung bei selbständig erwerbstätigen Unterhaltsschuldnern: OGH 19.10.2005, 7 Ob 143/05p, RdW 2006/75, 84; OGH 27.02.2007, 10 Ob 8/07k, EvBl 2007/100, 550; OGH 18.01.2011, 4 Ob 229/10w, EF-Z 2011/69, 110 (Beobachtungszeitraum); OGH 27.02.2012, 7 Ob 179/11s, EF-Z 2012, 108, 170 (ausführlich zur Bemessungsgrundlage). Übersteigen die Privatentnahmen den Reingewinn, so bestimmen diese die Unterhaltsbemessungsgrundlage: OGH 16.12.2015, 3 Ob 188/15s, EvBl-LS 2016/43, 280 (Scheidungsunterhalt).

Wer aus einer lukrativen unselbständigen Tätigkeit in eine selbständige Erwerbstätigkeit wechselt kann seine Anfangsverluste dann anrechnen lassen, wenn das gegündete Unternehmen positive Ertragsaussichten hat: OGH 12.03.2008, 7 Ob 197/07g, EF-Z 2008/86, 145 (Jungarzt). Ebenso, wenn der Unterhaltsschuldner ein zweites Unternehmen gründet: OGH 08.07.2008, 4 Ob 100/08x, RdW 2008/714, 774 = ecolex 2008/395, 1116 = EF-Z 2009/15, 21 (Notar gründet Forstwirtschaft).

Siehe auch Siart/Dürauer, Die Unterhaltsbemessung bei beherrschendem Einfluß auf eine GmbH, EF-Z 2009/45, 48.

Mieteinkünfte: Früher konnte der Unterhaltspflichtige Kreditraten für eine Liegenschaft, aus der er Mieterträge zieht, unterhaltsmindernd abziehen: OGH 12.08.1998, 4 Ob 210/98f, JBl 1999, 182. Ebenso Leibrentenzahlungen: OGH 25.01.2006, 3 Ob 170/05d, EF-Z 2006/46, 86. Anderer Auffassung OGH 7 Ob 132/98g, JBl 1998, 776. Wieder anders: Ob Kreditverbindlichkeiten die Unterhalts-Bemessungsgrundlage mindern, hängt vom Einzelfall ab und ist somit keine erhebliche Rechtsfrage: OGH 11.08.2008, 1 Ob 61/08i, iFamZ 2009/46, 43.

Nach neuerer Rechtsprechung kann er von den Mieteinkünften lediglich die Gebäude-AfA und den Zinsaufwand abschreiben: OGH 24.02.2009, 4 Ob 218/08z, EF-Z 2009/124, 188 = JBl 2009, 509 = RdW 2009/567, 574. Kritisch dazu Siart/Dürauer, Die Auswirkung von Investitionen, Abschreibungen und Krediten auf die Unterhaltsbemessung, EF-Z 2010/124, 183.

  • Die Unterhaltsbemessungsgrundlage beim GmbH-Gesellschafter, EF-Z 2018/96, 204

Beträchtliche Einmalzahlungen, wie Abfertigung und Pensionsabfertigung dienen bei wirtschaftlich sinnvoller Betrachtungsweise dazu, auf einen längeren Zeitraum, entsprechend den gegebenen Umständen auch auf mehrere Jahre, Vorsorge für ein höheres Einkommen zu treffen. Zur Bemessung: OGH 18.02.2015, 3 Ob 5/15d, Zak 2015/260, 151; OGH 12.07.2016, 4 Ob 144/16d, iFamZ 2016/172, 285; OGH 15.06.2016, 7 Ob 109/16d, iFamZ 2016/193, 322 (Ehegattenunterhalt). Siehe dazu auch Kolbitsch, Abfertigung und Unterhaltsbemessung, EF-Z 2016/109, 241.

Zieht der Unterhaltspflichtige aus der gemeinsamen Wohnung aus, so bleibt der Anspruch auf Naturalunterhalt aufrecht. Deshalb dürfen die unterhaltsberechtigten Kinder und der obsorgeberechtigte andere Elternteil weiter in der Wohnung bleiben: OGH 27.06.2002, 2 Ob 158/02b, wobl 2004/10, 29. Muß der Unterhaltspflichtige neben den Unterhaltszahlungen weiterhin die Miete für die Wohnung des Unterhaltsberechtigten zahlen? Nur soweit die Unterhaltszahlungen dazu nicht ausreichen: OGH 04.09.2007, 4 Ob 55/07b, EF-Z 2007/136, 228.

Grundsätzlich muß der unterhaltspflichtige Ehegatte die Substanz seines Vermögens nicht angreifen. Deckt er aber freiwillig einen Teil seines Lebensbedarfes aus der Substanz, so muß er den unterhaltsberechtigten Ehegatten daran angemessen teilhaben lassen: OGH 01.07.2003, 1 Ob 98/03y, EvBl 2003/183 (Verkauf von Liegenschaften); OGH 10.04.2008, 6 Ob 49/08m, EF-Z 2008/85, 144 (Anteilsveräußerung). Oder auch, wenn Einkünfte aus dem Vermögensstamm schon bisher dem (gemeinsamen) Unterhalt der Ehegatten gedient haben: OGH 06.11.2007, 10 Ob 93/07k, EvBl 2008/41, 232.

Dem Einkommen des Unterhaltspflichtigen anzurechnen sind auch Sachbezüge: OGH 27.02.2007, 10 Ob 4/07x, EF-Z 2007/84, 144 (luxuriöse Dienstwohnung); OGH 16.09.2008, 1 Ob 56/08d, EF-Z 2009/77, 105 (Dienstwagen); OGH 27.11.2012, 8 Ob 121/12w, iFamZ 2013/66, 100 (Dienstwagen); Privatentnahmen: OGH 16.09.2008, 1 Ob 56/08d, RdW 2009/77, 77 (Unternehmer nutzt Firmen-PKW privat); OGH 29.01.2010, 1 Ob 257/09i, iFamZ 2010/90, 142; OGH 24.11.2011, 6 Ob 112/11f, EF-Z 2012/43, 75 (Personengesellschafter), differenzierend jedoch OGH 29.09.2011, 2 Ob 115/11t, EF-Z 2012/44, 76; Nicht ausgeschüttete Gewinne, sofern Gewinnthesaurierung nicht kaufmännisch geboten: OGH 13.10.2010, 3 Ob 134/10t, iFamZ 2011/3, 13 = EvBl 2011/33, 224 = ecolex 2011/99, 238 = RdW 2011/202, 212 (Rücklagen, Rückstellungen); OGH 17.09.2015, 1 Ob 180/15z, Zak 2015/684, 395 (Rechtsanwalt) Erträge aus geerbtem Vermögen: OGH 27.01.2009, 10 Ob 57/08t, iFamZ 2009/99, 143; eigene Unterhaltsansprüche: OGH 05.08.2009, 6 Ob 148/09x, Zak 2009/595, 374; der Bezug von Kinderbetreuungsgeld: OGH 15.12.2009, 1 Ob 22/09f, EF-Z 2010/47, 79; Bezug des Unterhaltsabsetzbetrages: OGH 14.12.2009, 3 Ob 248/09f, Zak 2010/140, 93; Bezug der Studienbeihilfe: OGH 28.01.2010, 2 Ob 253/09h, Zak 2010/220, 131 = EF-Z 2010/109, 156; die Urlaubsabfindung: OGH 08.11.2011, 3 Ob 201/11x, Zak 2012/49, 33.

Anzurechnen sind auch rechtswidrig erzielte Einkünfte, allerdings darf auf diese nicht angespannt werden: OGH 26.02.2014, 7 Ob 16/14z, iFamZ 2014/76, 105 (Zuhälterei).

Nicht anzurechnen beim Unterhaltsschuldner sind hingegen freiwillige Leistungen Dritter, also etwa Lebensgefährten: OGH 23.02.2009, 8 Ob 76/08x, iFamZ 2009/98, 142 = DRdA 2010/4, 49; OGH 03.06.2009, 7 Ob 99/09y, iFamz 2009/223, 344; OGH 27.11.2012, 8 Ob 121/12w, iFamZ 2013/66, 100; empfangenes Schmerzengeld und übliche Zinsen daraus: OGH 22.10.2010, 7 Ob 166/10b, EF-Z 2011/12, 24 = Zak 2010/756, 433 = ZVR 2011/193, 329; Krankenhaus-Taggeld: OGH 24.01.2013, 8 Ob 1/13z, iFamZ 2013/38, 83. Ausgleichszahlungen aus der nachehehlichen Vermögenaufteilung sind nur ausnahmsweise zu berücksichtigen: OGH 23.11.2016, 3 Ob 172/16i, iFamZ 2017/7, 28 ("Luxusaufwendungen").

Aufwandsentschädigungen, wie etwa Diäten, Taggelder, Nächtigungsgelder und Reisekostenentschädigungen sind dem Einkommen zur Hälfte anzurechnen. Diese Anrechung entfällt, soweit der Unterhaltspflichtige einen darüber hinausgehenden tatsächlichen Aufwand nachweist: OGH 30.06.2010, 9 Ob 47/09s, Zak 2010/504, 293 = iFamZ 2010/174, 266 = EvBl 2010/130, 911 = Zik 2011/34, 22 (problematisches Kilometergeld bei hoher Kilometerleistung); OGH 30.07.2013, 8 Ob 63/13t, Zak 2013/605, 334 = ARD 6389/17/2014 (Kilometergeld).

Krankheitsbedingter Mehraufwand, soweit er nicht durch Pflegegeld abgedeckt ist, mindert die Bemessungsgrundlage des Unterhaltspflichtigen: OGH 26.02.2009, 1 Ob 217/08f, iFamZ 2009/142, 198; hingegen OGH 29.03.2011, 5 Ob 241/10t, Zak 2011/309, 169 = EF-Z 2011/91, 147 (dt. Conterganrente); manchmal auch Kinderbetreuungskosten: OGH 25.01.2011, 1 Ob 212/10y, EF-Z 2011/70, 110.

Ausnahmsweise mindern die Bemessungsgrundlage: Kreditraten für eine Eigentumswohnung: OGH 19.12.2012, 7 Ob 210/12a, iFamZ 2013/39, 84.

Keine Abzugsposten sind Prämien für eine Zusatzpension: OGH 18.08.2010, 8 Ob 75/10b, EF-Z 2010/161, 238 = iFamZ 2010/220, 309; oder Aufwendungen zum Nachkauf von Pensionsversicherungszeiten: OGH 01.09.2010, 6 Ob 152/10m, iFamZ 2010/219, 309.

Keine Anrechnung von Schenkungen Dritter: OGH 27.02.2007, 10 Ob 8/07k, EF-Z 2007/83, 143. Judikaturdifferenz bei der Frage, ob Renten aus einer Erlebensversicherung anzurechnen sind: OGH 06.11.2007, 10 Ob 93/07k, EF-Z 2008/34, 61 (Ja); OGH 26.09.2007, 7 Ob 180/07g, EF-Z 2008/35, 61 (Nein); OGH 28.04.2014, 8 Ob 35/14a, EF-Z 2014/132, 215 (Nein, weil Prämienzahlungen von Drittem). Seit der Neufassung des § 42 KBGG durch BGBl 2008 I 2007/76 ist der Bezug von Kinderbetreuungsgeld auf den Unterhaltsanspruch nicht anzurechnen. Der OGH ist dazu im Zwiespalt: OGH 06.11.2008, 6 Ob 200/08t, EF-Z 2009/17, 23; OGH 24.02.2009, 10 Ob 112/08f, EF-Z 2009/79, 105 (verfassungskonform!); OGH 17.12.2008, 7 Ob 223/08g, EF-Z 2009/51, 60 (verfassungsrechtliche Bedenken); der Verfassungsgerichtshof hatte keine Bedenken: VfGH 28.09.2009, G 9/09, G 42/09, Zak 2009/629, 394 = EF-Z 2010/11, 28 (Unterhaltsschuldner bezieht KBG); auch keine Bedenken zur Zuverdienstgrenze des KBGG: VfGH 26.02.2009, G 128/08, ecolex 2009, 449 = ÖJZ 2009, 522 = iFamZ 2009/152, 202 = EF-Z 2010/20, 35 (Rückforderung von KBG durch GKK).

Judikaturdifferenz zur Frage, ob ein Bezug von Sozialhilfe als Eigeneinkommen des Unterhaltsberechtigten gilt: OGH 23.01.2004, 8 Ob 126/03t, EvBl 2004/115 (Nein); OGH 13.10.2009, 1 Ob 134/09a, Zak 2010/12, 17 (Ja). Sozialhilfe- und Mindestsicherungsleistungen gelten jedenfalls dann nicht als Eigeneinkommen des Unterhaltsberechtigten, wenn das entsprechende Sozialhilfegesetz eine Rückersatz- oder Legalzessionsregelung enthält: OGH 26.01.2011, 1 Ob 231/10t, Zak 2011/310, 170 (WSHG); OGH 25.03.2014, 4 Ob 29/14i, Zak 2014/354, 192. Bezug der Mindestsicherung wird zur Unterhaltbemessung herangezogen: OGH 25.11.2015, 8 Ob 88/15x, Zak 2016/11, 13; und zwar zur Gänze: OGH 27.06.2016, 6 Ob 93/16v, Zak 2016/620, 331 (auch Zuschläge).

Kein den Unterhalt minderndes Eigeneinkommen: Kurzfristiges Einkommen des Unterhaltsberechtigten, wie etwa aus Ferialarbeit: OGH 26.11.2002, 1 Ob 177/02i, EvBl 2003/61 = JBl 2003, 444; Studienbeihilfe: OGH 14.08.2018, 3 Ob 51/18y, Zak 2018/590, 312 (Selbsterhalter).

Aufwendungen des Unterhaltspflichtigen in die Wohnung des Unterhaltsberechtigten (Strom, Heizung, Betriebskosten, Telefon, Kreditraten etc.) sind nach Kopfteilen aliquot als Naturalunterhalt anzurechnen: OGH 12.08.2004, 1 Ob 123/04a, JBl 2005, 309; OGH 20.12.2004, 2 Ob 264/14v, EvBl 2005/108; OGH 16.07.2009, 2 Ob 224/08t, EF-Z 2009/141, 220; einschränkend OGH 24.05.2005, 4 Ob 41/05s, JBl 2005, 782. Wohnungsbeschaffungskosten sind zur Hälfte anzurechnen. Auch wenn keine Darlehensrückzahlungen mehr zu leisten sind, ist der fiktive Mietwert als Naturalunterhalt anzurechnen, wenn der Unterhaltpflichtige dem Unterhaltsberechtigten eine Wohnung zur Verfügung stellt: OGH 13.03.2008, 6 Ob 5/08s, EF-Z 2008/83, 140 = JBl 2008, 580 (Kindesunterhalt - mit vielen Details zur Berechung); OGH 08.06.2010, 4 Ob 42/10w, EF-Z 2010/133, 195 (Ehegattenunterhalt); OGH 25.01.2012, 7 Ob 226/11b, iFamZ 2012/106, 137; OGH 15.11.2012, 1 Ob 143/12d, EvBl 2013/58, 410 (Kindesunterhalt); OGH 27.11.2014, 1 Ob 203/14f, Zak 2015/119, 73 (Miteigentum der Eltern). Das setzt freilich voraus, daß der Unterhaltspflichtige auch die Aufwendungen in die Wohnung trägt: OGH 26.11.2013, 9 Ob 48/13v, EF-Z 2014/46, 75; denn angerechnet werden nur Kosten, nicht auch das bloße Bereitstellen von Eigentum: OGH 16.07.2009, 2 Ob 224/08t, iFamZ 2009/226, 345 = Zak 2009/594, 373.

Ist der Unterhaltspflichtige grundlos ausgezogen, so ist sein Kopfteil teilweise dennoch mit zu berücksichtigen: OGH 01.10.2008, 6 Ob 15/08m, EF-Z 2009/16, 22.

Als Schenkungen erbrachte Naturalleistungen können die Geldunterhaltspflicht mindern: OGH 10.09.2012, 10 Ob 34/12s, EF-Z 2013/14, 26.

Ist der Unterhaltsberechtigte wegen Unterhaltsverletzung gezwungen, eine unzumutbare Erwerbstätigkeit aufzunehmen, so mindert dieses Eigeneinkommen den Unterhaltsanspruch nicht: OGH 26.01.2006, 6 Ob 311/05m, EvBl 2006/84, 462 = JBl 2006, 715.

Zum Anspannungsgrundsatz: Dieser im österreichischen Recht herrschende Grundsatz sagt, daß Bemessungsgrundlage für die Unterhaltspflicht nicht nur dasjenige Einkommen ist, das der Unterhaltspflichtige tatsächlich verdient, sondern überdies auch dasjenige, das er verdienen könnte, wenn er seine Kräfte und Fähigkeiten "anspannen" würde. Dazu der OGH: "Mit der Anspannung der Leistungskraft des Unterhaltspflichtigen kann der Unterhalt auf der Grundlage eines zwar tatsächlich nicht erzielten, aber wohl erzielbaren Einkommens bemessen werden. Die Anspannung darf aber nach der ständigen Rechtsprechung des Obersten Gerichtshofs nicht zu einer bloßen Fiktion führen, sondern muss immer auf der hypothetischen Feststellung beruhen, welches reale Einkommen der Unterhaltspflichtige in den Zeiträumen, für die die Unterhaltsbemessung erfolgt, unter Berücksichtigung seiner konkreten Fähigkeiten und Möglichkeiten bei der gegebenen Arbeitsmarktlage zu erzielen in der Lage wäre. Wer daher zu einer Erwerbstätigkeit aus triftigen Gründen (Krankheit, Haft, Schwangerschaft, Alter etc) nicht in der Lage ist, dem kann wegen der fehlenden Leistungsfähigkeit kein potientielles Einkommen unterstellt werden. Auch bei Verbüßung einer längeren Haft findet daher der Anspannungsgrundsatz keine Anwendung [...], sofern ein Einkommenserwerb wegen der Haft unmöglich und kein Vermögen des Unterhaltsschuldners vorhanden ist, das zur Deckung des angemessenen Unterhalts anzugreifen wäre. Minderjährigen Kindern sind unter den Voraussetzungen des § 4 Z 3 UVG Unterhaltsvorschüsse zu gewähren": OGH 29.10.2015, 8 Ob 78/15a, ÖJZ 2016/123, 870 (Schuldner in Haft).

Zur Anspannung bei Verlust des Arbeitsplatzes: OGH 24.04.2013, 9 Ob 5/13w, iFamZ 2013/87, 130 (versuchte Unternehmensgründung). Dem Unterhaltspflichtigen kann unter Umständen sogar zugemutet werden, in benachbarten EU-Staaten Arbeit zu suchen: OGH 26.01.2006, 6 Ob 311/05m, EvBl 2006/84, 462 = JBl 2006, 715. Zur Anspannung bei erfolgloser Arbeitsplatzsuche: OGH 28.04.2016, 1 Ob 65/16i, iFamZ 2016/120, 208.

Ist ein bestimmtes Einkommen wegen Versäumnisses des Unterhaltspflichtigen nicht (mehr) erzielbar, so darf nur dann auf dieses Einkommen angespannt werden, wenn das Versäumnis auf einer Schädigungsabsicht zu Lasten des Unterhaltsberechtigten beruht: OGH 08.05.2013, 6 Ob 80/13b, Zak 2013/461, 257 (Arbeitsberechtigung erloschen).

Der Anspannungsgrundsatz kann den Unterhaltsschuldner auch zu einer zumutbaren Heilbehandlung verpflichten: OGH 19.04.2007, 6 Ob 64/07s, JBl 2007, 651 (psychische Krankheit); zum ehestmöglichen Antrag auf Arbeitnehmerveranlagung ("Lohnsteuerausgleich"): OGH 15.05.2008, 7 Ob 97/08b, EF-Z 2008/109, 185.

Der Anspannungsgrundsatz verlangt nicht, daß der Unterhaltspflichtige Liegenschaftsbesitz vermietet, wenn er aus seinem Einkommen angemessenen Unterhalt zahlen kann: OGH 01.07.2003, 1 Ob 98/03y, EvBl 2003/183; er braucht auch keine Überstunden zu machen: OGH 05.02.2008, 10 Ob 5/08w, EF-Z 2008/110, 185 (Zeitausgleich erlaubt!).

Anspannung eines geschiedenen Ehegatten, der grundlos auf eine Erbschaft verzichtet hat: OGH 13.10.2009, 1 Ob 104/09i, Zak 2010/40, 35 = iFamZ 2010/73, 108 = EF-Z 2010/76; des Inhabers eines schlechtgehenden Unternehmens: OGH 30.09.2013, 6 Ob 164/13f, iFamZ 2014/4, 16 (Landwirt); des Gründers einer unrentablen Schafzucht: OGH 15.12.2009, 1 Ob 240/09i, Zak 2010/141, 93; des Ehegatten, der sein Fruchtgenußrecht an einer Wohnung aufgegeben hat: OGH 21.10.2010, 2 Ob 246/09d, EF-Z 2011/42, 69; der eine Einkunftsquelle verschenkt hat: OGH 14.07.2011, 2 Ob 23/11p, iFamZ 2011/244, 334 (Eigentumswohnung); des geschiedenen Ehegatten nach ungerechtfertigter Eigenkündigung seines Dienstverhältnisses: OGH 06.07.2010, 1 Ob 81/10h, JBl 2011, 105; eines Unterhaltspflichtigen in Karenz: OGH 19.09.2013, 1 Ob 159/13h, Zak 2013/720, 398 = EF-Z 2014/12, 28; Anspannung eines Mönches: OGH 27.09.2017, 1 Ob 155/17a, EF-Z 2018/13, 27.

Keine Anspannung bei Krankenstand: OGH 21.12.2010, 8 Ob 27/10v, iFamZ 2011/53, 72 (MT-Assistent).

Zur Anspannungsobliegenheit des nicht selbsterhaltungsfähigen Kindes: OGH 28.04.2016, 1 Ob 29/16w, Zak 2016/393, 212 (Sozialleistungen).

während der Haft des Unterhaltsberechtigten: OGH 30.06.2015, 10 Ob 6/15b, JBl 2015, 704.

Bei der Bemessung der Unterhaltspflicht eines Gemeinschuldners waren die Senate des OGH lange Zeit uneins. So gab es die Differenzmethode, mit der sich die Unterhaltspflicht aus der Differenz zwischen dem Existenzminimum und dem Unterhaltsexistenzminimum errechnet hat: OGH 21.05.2003, 6 Ob 284/02m, ecolex 2004/10, 30; OGH 24.06.2004, 8 Ob 50/04t, EvBl 2005/1; OGH 06.04.2006, 6 Ob 52/06z, EF-Z 2006/12, 23 = EvBl 2006/136, 722 = JBl 2007, 258.

Quotenzahlungen aus einem Zahlungsplan wurden manchmal mit der Begründung berücksichtigt, diese Zahlungen dienten dazu, die Leistungsfähigkeit des Unterhaltsschuldners wieder herzustellen: OGH 17.05.2004, 1 Ob 86/04k, ecolex 2004/405, 859 = EvBl 2004/201; OGH 13.02.2006, 7 Ob 289/05h, EvBl 2006/93, 508; vorsichtig auch der 6. Senat: OGH 21.12.2006, 6 Ob 282/06y, JBl 2007, 446. Gegenteiliger Auffassung waren der 9. und 10. Senat: OGH 28.01.2009, 9 Ob 74/07h, EF-Z 2009/75, 103 = EvBl 2009/80, 556 = JBl 2009, 506; OGH 29.09.2009, 10 Ob 60/09k, EF-Z 2010/14, 30 = Zak 2010/11, 17 = Zik 2010/100, 70; gleichlautend OGH 10 Ob 46/09a. Zur Unterhaltsbemessung bei Gemeinschuldnern im Abschöpfungsverfahren: OGH 31.01.2007, 2 Ob 192/06h, EF-Z 2007/64, 102 = EvBl 2007/84, 463 = JBl 2007, 447 (vermittelnd).

  • Die Sicherung der Existenz des Gemeinschuldners und seiner Familie im Konkurs, EF-Z 2007/79 (I. Teil), EF-Z 2007/100, 170 (II. Teil)
  • Unterhalt und Konkurs, iFamZ 2009, 141

Neue Rechtsprechung: Über diesen Meinungsstreit hat jetzt ein verstärkter Senat des OGH entschieden: OGH 05.05.2010, 1 Ob 160/09z, EF-Z 2010/107, 153 = ecolex 2010/259, 743 = Zik 2010/211, 142 = JBl 2010, 431. Er hat ein relativ kompliziertes System entwickelt mit der Grundaussage:

  • Die Differenzmethode wird verworfen;
  • Zahlungsplanraten oder Abschöpfungen für sich allein mindern die Bemessungsgrundlage noch nicht;
  • aus verschiedenen Parametern errechnet sich die Belastbarkeitsgrenze.
  • Bei der Unterhaltsbemessung ist in allen Insolvenzfällen regelmäßig von der im Einzelfall ermittelten Unterhaltsbemessungsgrundlage auszugehen. Auf die Deckung in der Differenz zwischen dem Existenzminimum gemäß § 291a EO und dem Unterhaltsexistenzminimum gemäß § 291b EO kommt es nicht an. Die Belastbarkeit des Unterhaltspflichtigen richtet sich nach dem Unterhaltsexistenzminimum gemäß § 291b EO, das ausnahmsweise in den Grenzen des § 292b EO unterschritten werden kann.

Teilweise Rückkehr zur Differenzmethode: Rückzahlungen des Unterhaltspflichtigen für Schulden, die vor Kenntnis der Unterhaltspflicht eingegangen wurden, sind zu berücksichtigen: OGH 20.01.2016, 4 Ob 139/15t, EF-Z 2016/151, 316 (Sanierungsplan).

  • Ende von Differenzmethode & genereller Abzugsfähigkeit von Zahlungsplanraten und Abschöpfungsbeträgen, EF-Z 2010/99, 146
  • Unterhaltsbemessung, EF-Z 2010/120, 167 (Tabelle mit Belastbarkeitsgrenzen)
  • Unterhalt und Insolvenz: OGH bekräftigt ältere Judikatur zum "140er", iFamZ 2010, 184
  • Vorhang für Differenzmethode zu und alle Fragen offen, Zik 2010/180, 122

Zulässige Exekutionsführung des Unterhaltsgläubigers während eines Abschöpfungsverfahrens des Unterhaltsschuldners auf die Differenz zwischen den Existenzminima: OGH 23.01.2013, 3 Ob 206/12h, EF-Z 2013/89, 128 = iFamZ 2013/90, 133.

steht nur bei Deckungsmangel zu; also wenn der Aufwand nicht aus der Differenz zwischen Regelbedarf und tatsächlich bemessenem Unterhalt finanziert werden kann: OGH 21.10.2008, 1 Ob 150/08b, EF-Z 2009/99, 149; OGH 07.07.2009, 5 Ob 116/09h, iFamZ 2009/224, 344 = EvBl 2009/154, 1057 (Zahnregulierung). Die Abgeltung von Sonderbedarf hat immer Ausnahmecharakter; die Judikatur dazu ist demnach einzelfallbezogen: OGH 16.09.2011, 2 Ob 107/11s, iFamZ 2012/7, 20 (Privatschule); OGH 09.04.2015, 2 Ob 58/14i.

Notwendige Prozeßkosten können als Sonderbedarf begehrt werden. Das auch dann, wenn der Prozeß gegen den Unterhaltspflichtigen selbst geführt werden soll: OGH 12.04.2005, 1 Ob 67/05t, JBl 2005, 713. Ein Prozeßkostenvorschuß (§ 382 Abs.1 Z.8 lit.a EO) steht nur dann zu, wenn der Unterhaltsberechtigte bereits fällige Kosten nicht zahlen kann: OGH 12.07.2006, 4 Ob 114/06b, EF-Z 2006/74, 126.

Kosten eines Rechtsanwaltes für Außerstreitverfahren werden nur in besonders schwierigen Fällen als Sonderbedarf anerkannt: OGH 31.08.2006, 6 Ob 183/06i, EF-Z 2006/77, 128 = JBl 2007, 306.

Unterhaltspflichten, die bereits klar bestimmt sind, brauchen nicht mehr eingemahnt zu werden. Die rückständigen Unterhaltsleistungen können sofort eingeklagt werden: OGH 18.10.2005, 10 Ob 90/05s, EvBl 2006/29, 165.

Befreiung von der Unterhaltspflicht eines geistig Behinderten: OGH 29.03.2011, 10 Ob 7/11v, iFamZ 2011/132, 192.

Unterhaltsschuldner sind gut beraten, ihre Zahlungen immer klar aufzuschlüsseln, weil sonst unangenehme Mißverständnisse entstehen könnten. Denn eine pauschale und ungewidmete Zahlung an mehrere Unterhaltsberechtigte führt zur aliquoten Tilgung aller Schulden: OGH 24.03.2009, 4 Ob 20/09h, EvBl-LS 2009/118, 729.

Unterhaltsansprüche, die im streitigen Verfahren einzuklagen sind, können mit Stufenklage (Art. XLII EGZPO) geltend gemacht werden: OGH 04.10.2004, 2 Ob 217/04g, EvBl 2005/66, 303 = JBl 2005, 311. In der Stufenklage begehrt der Kläger zunächst Auskünfte zur Ermittlung seiner Unterhaltsansprüche und in der zweiten Stufe beziffert er dann den konkreten Klagsbetrag.

Alle Unterhaltsansprüche zwischen Verwandten gerader Linie oder ihr (teilweises) Erlöschen sind seit 1.1.2005 im Außerstreitverfahren geltend zu machen (§ 114 Abs.2 JN). Ausgenommen sind Ansprüche, für die bereits die Exekution bewilligt wurde. Deren (teilweises) Erlöschen ist weiterhin mit Oppositionsklage (§ 35 EO) geltend zu machen. Diese Grundsätze gelten auch für erwachsene Kinder: OGH 29.06.2006, 6 Ob 148/06t, EvBl 2006/164, 860. Allerdings tendiert die Rechtsprechung neuerdings zu einem Wahlrecht zwischen Herabsetzungsantrag und Oppositionsklage: OGH 12.04.2011, 4 Ob 17/11w, EF-Z 2011/121, 194 = JBl 2012, 388. Eine solche Oppositionsklage gilt – anders als die Impugnationsklage(!)– als familienrechtliche Streitigkeit im Sinne des § 49 Abs 2 Z 2 JN: OGH 20.02.2013, 3 Ob 6/13y, JBl 2013, 385.

Seit der Exekutionsordnungs-Novelle 2014 – BGBl I 2014/69 – müssen die exekutionsrechtlichen Klagen immer beim aktuellen Pflegschaftsgericht eingebracht werden.

Im Verfahren über die Oppositionsklage besteht ein Herabsetzungsanspruch nur für diejenigen Perioden, die vom Exekutionsverfahren umfaßt sind: OGH 19.03.2013, 10 Ob 62/12h, JBl 2013, 673. Soweit ein Oppositionsverfahren anhängig ist, ist die Unterhaltsfeststellungsklage unzulässig: OGH 28.11.2013, 3 Ob 190/13g, Zak 2014/87, 52 (Ehegattenunterhalt).

ACHTUNG FALLE ! Zahlungen, die vor Entstehen des Unterhaltstitels geleistet und im Titel nicht berücksichtigt wurden, können nicht mittels Oppositionklage geltend gemacht werden. In diesen Fällen muß unbedingt Rekurs gegen den Titelbeschluß erhoben werden: OGH 18.11.2015, 3 Ob 156/15k, EF-Z 2016/71, 150 (Vorauszahlung für 19 Jahre).

  • Unterhaltsenthebungsantrag oder Oppositionsklage - oder doch beides?, Zak 2011/425, 228 (zu OGH 4 Ob 17/11w)
  • Paralleler Rechtsweg und "Streitanhängigkeit" - Überlegungen zum Verhältnis von Feststellungsantrag und Oppositionsklage in außerstreitigen Unterhaltsanglegenheiten de lege lata et ferenda, iFamZ 2012, 11
  • Probleme im Zusammenhang mit der Festellungsklage bei der Unterhaltsenthebung bzw Unterhaltsherabsetzung, ÖJZ 2012/101, 896
  • Die Abänderung von Unterhaltsentscheidungen, JBl 2012, 705 (1. Teil), 774 (2. Teil)
  • EO-Novelle 2014: Unterhaltsherabsetzung oder Oppositionsklage?, EF-Z 2015/6, 20

Amtswegige Ermittlungspflicht im Unterhaltsverfahren nach dem Außerstreitgesetz (§ 16 AußStrG): OGH 29.11.2011, 2 Ob 205/11b, iFamZ 2012/135, 179.

Zur örtlichen Zuständigkeit der Gerichte im Unterhaltsverfahren erwachsener Kinder: OGH 27.03.2008, 2 Nc 1/08g, EF-Z 2008/120, 193.

Abänderungen von Unterhaltsverpflichtungen für Zeiten, die von der materiellen Rechtskraft einer Unterhaltsentscheidung umfaßt sind, nur im Rahmen des § 73 AußStrG: OGH 17.12.2008, 3 Ob 189/08b, RZ 2009/27, 249; OGH 18.12.2009, 2 Ob 90/09p, Zak 2010/93, 93. Zum Unterhaltserhöhungsantrag wegen Irrtums beim Vergleichsabschluß: OGH 17.10.2013, 1 Ob 152/13d, iFamZ 2014/6, 17.

Checkliste zur Unterhaltspflicht in EF-Z 2007/26, 37.

Siehe dazu die Checkliste von Weber, Der europäische Unterhaltsstreit, EF-Z 2012/56, 88.

  • Unterhaltsbemessung - wichtige Faktoren, EF-Z Serviceheft 2007, 1

Weitere Blogs zum Thema

1212