10.4.1.Allgemeines zum Sozialrecht

Aus den Einzelregelungen des Sozialversicherungsrechtes lassen sich zahlreiche Duldungs- und Mitwirkungspflichten des Versicherten ableiten. So etwa die Behandlungsobliegenheit des Versicherten, nach Aufforderung des Sozialversicherungsträgers sich heilen zu lassen: OGH 06.11.2007, 10 ObS 134/07i, DRdA 2009/37, 392; OGH 22.06.2010, 10 ObS 93/10i, JBl 2011, 52. Zur Beweislast bei Verletzung der MwP: OGH 28.06.2011, 10 ObS 58/11v, EvBl-LS 2011/143, 885 (GSVG - EU-Pension).

Rechtsfolgen einer falschen Rechtsauskunft durch den SV-Träger: OGH 20.12.2011, 10 ObS 164/11g, ARD 6209/6/2012 (kein Leistungsanspruch, nur Amtshaftung).

Zur Übernahme von Krankenhauskosten für den stationären Aufenthalt einer jugendlichen Komatrinkerin: OGH 16.06.2009, 10 ObS 75/09s, ARD 6019/6/2010 = DRdA 2010/25, 317 (differenzierend); schwer Alkoholisierter: OGH 01.06.2010, 10 ObS 10/10h, RdW 2011/40, 38.

(§ 107 ASVG) – Keine Rückforderung einer gutgläubig bezogenen Pensionsleistung: OGH 19.11.2013, 10 ObS 160/13x, ARD 6401/15/2014. Jedoch: Wer einen Rückforderungstatbestand erfüllt hat, kann sich nicht auf gutgläubigen Verbrauch berufen: OGH 16.06.2009, 10 ObS 88/09b, ARD 6018/8/2010 (Überbezug Ausgleichszulage).

Durch Verfassungsbestimmung (§ 330a ASVG) wurde ein Verbot des Pflegeregresses für Sozialhilfeempfänger und deren Angehörige normiert. Diese Bestimmung wirkt zurück auch auf jene Regreßforderungen, die bereits zuvor entstanden sind: OGH 30.04.2018, 1 Ob 62/18a, EF-Z 2018/113, 236. Demnach ist jeder Zugriff auf das Vermögen von in stationären Pflegeeinrichtungen aufgenommenen Personen, deren Angehörigen, Erben und Geschenknehmern im Rahmen der Sozialhilfe zur Abdeckung der Pflegekosten – selbst bei Vorliegen einer rechtskräftigen Entscheidung, die vor dem 1. Jänner 2018 ergangen ist – jedenfalls unzulässig: VfGH 10.10.2018, E 229/2018-17.

EU-Bürger mit ausländischem Rentenbezug haben Anspruch auf österreichische Ausgleichszulage: OGH 21.07.2011, 10 ObS 172/10g, ARD 6220/5/2012.

Denjenigen, die unverschuldet eine Antragsfrist versäumen, gewährt das Sozialrecht keinen besonderen Rechtsschutz: OGH 17.03.2009, 10 ObS 12/09a, ARD 5989/8/2009 (Witwenpension).

Rechtsweg unzulässig für den Anspruch auf Auszahlung der gepfändeten Pension: OGH 28.02.2012, 8 ObA 8/12b, ARD 6243/6/2102; für Honoraransprüche von Vertragsärzten gegen den Sozialversicherungsträger: OGH 30.05.2012, 7 Ob 52/12s, EvBl-LS 2012/111, 688.

Der Sozialversicherungsträger kann einen rechtskräftigen Pensionsbescheid wegen Irrtums nicht mehr ändern: OGH 16.04.2013, 10 ObS 22/13b, ARD 6350/5/2013 (Witwenpension). Deshalb gilt im sozialgerichtlichen Verfahren auch das Verschlechterungsverbot: OGH 02.09.2015, 10 ObS 50/15y, ARD 6470/12/2015 (Rehabilitationsgeld).

  • Zum Klagebegehren und Urteilsspruch im sozialgerichtlichen Verfahren über Bescheidklagen, ÖJZ 2009/113, 1031
  • Einführung in das Pensionsrecht 2011, taxlex 2011, 197
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