3.8.2.7.2.Kündigungsschutz Behinderter

Zum Thema Dienstunfähigkeit eines begünstigten Behinderten siehe Hack, Die Entlassung von nach dem BEinstG begünstigten behinderten Arbeitnehmern wegen Dienstunfähigkeit, DRdA 2003, 514.

Zum Unterschied zwischen Krankheit oder Behinderung: EuGH 11.04.2013, C-335/11 (Ring), C-337/11 (Werge); OGH 29.04.2014, 9 ObA 165/13z, wobl 2014/198, 580 (unbewußte Diskriminierung).

Siehe dazu die Richtlinie 2000/78/EG des Rates vom 27. November 2000 zur Festlegung eines allgemeinen Rahmens für die Verwirklichung der Gleichbehandlung in Beschäftigung und Beruf.

Nach dem Behinderteneinstellungsgesetz (§ 14 Abs. 2) genießt der Behinderte Kündigungsschutz rückwirkend ab dem Ersten desjenigen Monats, an dem er den Antrag auf Feststellung der Behinderung gestellt hat, vorausgesetzt, der Antrag wird "unverzüglich nach dem Eintritt der Behinderung" gestellt. Der VwGH (31.05.2000, 94/08/0032, RdW 2001/180 = DRdA 2001, 161) hat sich nun der Rechtsprechung des OGH angeschlossen, wonach der Kündigungsschutz auch dann besteht, wenn zwischen Antragstellung und Zustellung des Feststellungsbescheides der Dienstgeber des Behinderten die Kündigung ausspricht und die Kündigungsfrist abläuft.

Durch die angeordnete Rückwirkung auf den Ersten des Antragsmonats ist Kündigungsschutz sogar dann gegeben, wenn der Behinderte erst nach Ausspruch der Kündigung - allerdings im selben Monat - den Antrag stellt. Dazu OGH 08.08.2007, 9 ObA 61/06w, ecolex 2007/372, 882 = Evbl 2007/173, 968 = RdW 2008/115, 160 = DRdA 2009/12, 131 = Arb 12.692. Der positive Bescheid muß bis zum Schluß des Verfahrens 1. Instanz rechtskräftig geworden sein, sonst keine Rückwirkung: OGH 04.08.2009, 9 ObA 48/08m, ARD 6000/2/2009 = RdW 2009/833, 863 = EvBl 2010/2, 28.

von vier Jahren (§ 8 Abs 6 lit b BEinstG) gilt nur dann, wenn der Feststellungsbescheid vor Beginn des Dienstverhältnisses erlassen wurde: OGH 26.11.2013, 9 ObA 96/13b, RdW 2014/178, 149.

Kündigungsschutz besteht auch dann, wenn der Behinderte den Feststellungsbescheid erst nach Ausspruch der Kündigung empfängt und der Dienstgeber vom Feststellungsverfahren gar nichts gewußt hat: OGH 22.10.2003, 9 ObA 82/03d, DRdA 2005/24, 330.

Das Verschweigen einer Behinderung ist grundsätzlich weder Kündigungs- noch Entlassungsgrund weil keine Offenlegungspflicht besteht: OGH 26.11.2015, 9 ObA 107/15y, ARD 6485/6/2016. Es löst auch keine Schadenersatzpflichten aus, doch kann es den Behinderten um besondere Vorteile bringen: OGH 02.04.2003, 9 ObA 240/02p, RdW 2003/640, 724; OGH 28.09.2007, 9 ObA 46/07s, ÖJZ-LS 2008/5, 78 = ecolex 2008/60, 164 = wbl 2008/105, 237 = RdW 2008/371, 409 = Arb 12.709 = DRdA 2009/21, 254 (Umfassend zum Kündigungsschutz des Behinderten); OGH 25.11.2008, 9 ObA 142/08k, ARD 5967/6/2009 = DRdA 2010/9, 127 (Arbeiter). Anwendung des Diskriminierungsverbotes nach §§ 7b Abs 1 Z 7 und 7f BEinstG: OGH 26.11.2015, 9 ObA 107/15y, ZAS 2017/13, 71 (Schweißer)

Der gekündigte Arbeitnehmer hingegen ist verpflichtet, seine Behinderung dem unwissenden Arbeitgeber mitzuteilen: OGH 07.06.2006, 9 ObA 30/06m, ecolex 2006/405, 929 = wbl 2007/14, 42. Diese Verpflichtung ist eine Aufgriffsobliegenheit: OGH 19.06.2006, 8 ObA 48/06a, ecolex 2007/24, 53. Kündigt ihn der unwissende Arbeitgeber, so gebührt keine Kündigungsentschädigung, wenn der Arbeitgeber dem Behinderten sofort nach Kenntnis die Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses ermöglicht: OGH 22.10.2003, 9 ObA 82/03d, DRdA 2005/24, 330.

Behinderte genießen keinen gesetzlichen Entlassungsschutz. Aufgrund ihres Kündigungsschutzes können sie aber bei ungerechtfertigter Entlassung die Fortsetzung des Dienstverhältnisses verlangen: OGH 28.09.2007, 9 ObA 46/07s, ÖJZ-LS 2008/5, 78 = ecolex 2008/60, 164 = wbl 2008/105, 237 = RdW 2008/371, 409 = Arb 12.709 = DRdA 2009/21, 254.

Dienstunfähigkeit ist bei begünstigten Behinderten kein Entlassungsgrund: OGH 21.02.2013, 9 ObA 127/12k, wbl 2013/121, 336 = ARD 6355/1/2013.

Zur Bindung der Gerichte an Entscheidungen des Behindertenausschusses: OGH 22.12.2010, 9 ObA 42/10g, JBl 2011, 259 = EvBl 2011/71, 504 = RdW 2011/362, 353 (Postsortierer).

ermöglicht die rechtswirksame Kündigung des begünstigten Behinderten. Erhebt der Behinderte Beschwerde an den VwGH und bewilligt dieser die aufschiebende Wirkung der Beschwerde, so bleibt eine Kündigung dann rechtswirksam, wenn sie vor dem Bewilligungsdatum ausgesprochen wurde: OGH 22.12.2010, 9 ObA 42/10g, ARD 6152/3/2011 (Gegen OLG Wien 8 Ra 134/09y).

Lange Krankenstände, die der Arbeitgeber (mit-)verursacht hat, sind kein Kündigungsgrund: VwGH 18.09.2012, 2011/11/0149, ARD 6289/12/2013 (Mobbing).

Zur Neufassung des § 8 Abs 2 BEinstG durch das BudgetbegleitG 2011 (BGBl I 2010/111): OGH 26.11.2013, 9 ObA 96/13b, ARD 6383/8/2014.

durch Behinderte, die keine "begünstigten Behinderten" nach § 8 BEinstG sind. Zu den Anfechtungsfristen: OGH 28.02.2011, 9 ObA 1/11d, ARD 6152/2/2011.

  • Entlassung eines begünstigten Behinderten, RdW 2007/256, 226
  • Die Entlassung eines Behinderten wegen Verschweigung der Behinderteneigenschaft, ASoK 2009, 211
  • Schadenersatzpflicht nach § 7i BEinstG bei Belästigung durch eine Arbeitskollegin, ASoK 2009, 290
  • Änderungskündigung eines begünstigten Behinderten, taxlex 2010, 35
  • Behindertenausschuß und Berufungskommission, ZAS 2010/34, 199;
  • Zum Kündigungsgrund der beharrlichen Pflichtverletzung eines begünstigten Behinderten, RdW 2012/441, 412
  • Kündigungsschutz begünstigter Behinderter, ASoK 2016, 179
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