10.5.2.2.Der fehlerfreie Verwaltungsbescheid

Ein Bescheid muß den Adressaten so genau bezeichnen, daß dessen eindeutige Identifizierung möglich ist: VwGH 15.02.2006, 2005/13/0179, ÖStZB 2006/504,606 (Wohnungseigentümergemeinschaft).

Zu den drei tragenden Elementen einer Bescheidbegründung allgemein: VwGH 26.08.2009, 2004/13/0092, ÖStZB 2010/30, 70.

Die Begründung eines Bescheides muß zunächst eine zusammenhängende Darstellung des Sachverhaltes enthalten, der der Entscheidung zugrunde gelegt wurde, sodann die Beweiswürdigung, aus welchen Erwägungen die belangte Behörde zur Einsicht gelangt ist, daß gerade dieser Sachverhalt vorliegt, und schließlich die rechtliche Beurteilung, aus welchen Gründen die Behörde die Subsumtion des Sachverhaltes unter einen bestimmten Tatbestand für zutreffend erachtet hat: VwGH 27.08.1998, 96/13/0086, 0180; ÖStZB 1999/247, 248; VwGH 07.06.2001, 95/15/0049, ÖStZB 2002/249; VwGH 26.07.2006, 2001/14/0157, ecolex 2006/409, 937; VwGH 11.03.2010, 2008/16/0132, 0133, 0136, 0137, ÖStZB 2010/452, 650; VwGH 29.07.2010, 2007/15/0229, ecolex 2011/110, 265; VwGH 26.11.2015, 2013/15/0176 (Kommunalsteuer).

Die Wiedergabe von Schriftsätzen einer Verfahrenspartei kann ordnungsgemäße Tatsachenfeststellungen nicht ersetzen: VwGH 20.10.2016, Ra 2016/13/0005, ÖStZB 2017/92, 110 (Dienstnehmereigenschaft).

Lassen die Beweisergebnisse mehrere Sachverhalte zu, so hat die Behörde zu begründen, warum sie sich gerade für den festgestellten Sachverhalt entschieden hat: VwGH 17.05.2006, 2004/14/0102, ÖStZB 2006/560, 692.

Die Beweiswürdigung der Behörde kann der VwGH dahin überprüfen, ob der Sachverhalt genügend erhoben worden ist und ob die Begründung für die Beweiswürdigung schlüssig ist: also ob sie den Denkgesetzen, dem allgemeinen menschlichen Erfahrungsgut und den Erfahrungen des täglichen Lebens entsprechen: VwGH 17.02.2000, 99/16/0233, ÖStZB 2000/358; VwGH 30.05.2001, 99/13/0099, ÖStZB 2002/376; VwGH 09.11.2004, 99/15/0008, ÖStZB 2005/441, 552; VwGH 13.04.2005, 2001/13/0165, ÖStZB 2005/552, 655; VwGH 18.10.2005, 2004/14/0116, ÖStZB 2006/143, 178; VwGH 31.05.2006, 2002/13/0204, ÖStZB 2006/552, 681 (Betriebsausgaben).

Die Behörde muß die konkreten Einwendungen und Beweise auch tatsächlich würdigen und zum Gegenstand ihrer Erwägungen machen: VwGH 15.03.2001, 2000/16/0315, ÖStZB 2002/85. Sie muß die Beweise umfassend würdigen: VwGH 26.01.2009, 2006/17/0380, ÖStZB 2009/475, 527 (Wr. ParkometerG).

Siehe auch VwGH 20.06.2000, 2000/15/0020, ÖStZB 2000/537; VwGH 19.07.2000, 97/13/0241, 0242, ÖStZB 2001/14; VwGH 02.08.2000, 2000/13/0101, ÖStZB 2001/132; VwGH 26.09.2000, 98/13/0070, ÖStZB 2001/140; VwGH 22.09.2000, 95/15/0115, ÖStZB 2001/196; VwGH 29.09.2000, 98/13/0023, ÖStZB 2001/275; VwGH 18.07.2001, 95/13/0152, ÖStZB 2002/373; VwGH 03.07.2003, 98/15/0128, ecolex 2003/357, 874; VwGH 27.02.2003, 98/15/0188, ÖStZB 2003/719, 665.

Hat der Bescheid eine taugliche Rechtsgrundlage, so ist er auch dann rechtmäßig, wenn er eine unrichtige Rechtsgrundlage angibt: VwGH 01.07.2005, 2004/17/0200, ÖStZB 2005/606, 709.

Lebensmittelverkauf am Sonntag: VwGH 02.03.2010, 2008/11/0126.

Allgemein zur Wirksamkeit: VwGH 15.10.2014, Ra 2014/08/0009, wbl 2015/79, 240. Elektronische behördliche Erledigungen ohne Bildmarke sind unwirksam: VwGH 25.11.2015, Ra 2015/16/0102, ZVG 2016/33, 137 (Feststellungsbescheid ALSAG).

Die Erlassung eines Bescheides per Telefax oder E-Mail ist unzulässig: VwGH 11.11.2013, 2012/22/0126.

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