7.1.5.1.Steuerrechliche Wirkung von Verträgen zwischen nahen Angehörigen

1. Verträge zwischen Kapitalgesellschaften und ihren Gesellschaftern werden gleich Verträgen zwischen nahen Angehörigen nur dann steuerlich anerkannt, "wenn sie nach außen ausreichend zum Ausdruck kommen, einen klaren und eindeutigen Inhalt haben und auch zwischen Fremden unter den gleichen Bedingungen abgeschlossen worden wären (Fremdvergleich)": VwGH 28.04.99, 97/13/0068, ÖStZB 1999, 610; VwGH 23.02.2010, 2005/15/0036, ÖStZB 2010/336, 518 (GmbH & Co KG).

Zum Verhältnis Kapitalgesellschaft und ihre Gesellschafter: VwGH 13.10.1999, 96/13/0113, ÖStZB 2000/88; VwGH 14.10.2010, 2008/15/0324, 0330, GesRZ 2010, 360; Darlehensvereinbarungen: VwGH 31.07.2002, 98/13/0011,0040, ÖStZB 2003/138, 132; Vermittlungsprovisionen: VwGH 16.11.2006, 2005/14/0070, 0071, ÖStZB 2007/109, 152.

2. Dienstverträge zwischen nahen Angehörigen sind dann nicht steuerlich anzuerkennen, wenn die Tätigkeit des Angehörigen der familiären Mitwirkung zuzuordnen ist. Unter diese familiäre Mitwirkung beim Erwerb fallen etwa Reinigungsarbeiten, Telefondienst und Botengänge: VwGH 24.06.1999, 97/15/0070, ÖStZB 1999, 734; VwGH 08.02.2007, 2004/15/0094, ÖStZB 2007/451, 586.

Siehe dazu auch VwGH 29.11.2000, 95/13/0004, wobl 2001, 236. Zu geringes Honorar: VwGH 22.03.2010, 2008/15/0099, AnwBl 2011/8273, 79.

Literatur dazu: Leitner, Dienstverhältnis zwischen Ehegatten - so gelingt der Nachweis, EF-Z Serviceheft 2007, 5.

Enthalten Honorarabrechnungen für Werkleistungen des Ehegatten keine Beschreibung der erbrachten Leistungen, so ist eine Prüfung der Fremdüblichkeit nicht möglich: VwGH 04.06.2003, 97/13/0208, ÖStZB 2003/620, 583; VwGH 20.04.2006, 2002/15/0106, ÖStZB 2006/583, 717 (keine schriftl. Vereinbarung).

Zum Fremdvergleich bei Honorarzahlungen an die eigenen Kinder: VwGH 26.03.2014, 2011/13/0036, ARD 6389/18/2014. Die Entlohnung von Kindern nach der jeweiligen sozialversicherungsrechtlichen Geringfügigkeitsgrenze bedarf konkreter Aufzeichnungen über Art und Umfang der geleisteten Arbeiten: VwGH 24.09.2008, 2006/15/0119, ÖStZB 2009/268, 298 (Rechtsanwalt).

3. Leistungen mit Zuwendungscharakter: Arbeiten Familienangehörige ausnahms- und aushilfsweise im Betrieb des Steuerpflichtigen mit, so tun sie das im Zweifel aus familiärer Solidarität. Leistet der Steuerpflichtige hiefür Zahlungen, so sind diese im Zweifel nicht betrieblich veranlaßt, sondern entspringen Beweggründen wie Dankbarkeit und Anstand. Die Zahlungen haben also Zuwendungscharakter und können daher steuerlich nicht berücksichtigt werden: VwGH 01.07.2003, 98/13/0184, ÖStZB 2004/118, 149.

Vereinbarte Gegenleistungen mit Zuwendungscharakter führen dazu, daß das Finanzamt eine Schenkung annimmt: VwGH 04.12.2003, 2003/16/0097, ecolex 2004/148, 314 (Fruchtgenußvertrag mit Lebensgefährtin).

4. Nicht fremdübliche mündliche Darlehensverträge zwischen nahen Angehörigen werden auch dann nicht anerkannt, wenn nachweislich Zinsen gezahlt wurden: VwGH 28.11.2002, 2001/13/0032, ÖStZB 2003/664, 624.

5. Mietverträge sind grundsätzlich nur dann fremdüblich, wenn sie schriftlich geschlossen wurden. Das Argument, die Schriftform bloß aus Gebührengründen unterlassen zu haben, bleibt erfolglos: VwGH 30.06.2005, 2001/15/0081, ÖStZB 2006/5, 8.

Das bloße Fehlen einer Indexvereinbarung kann fremdüblich sein: VwGH 26.07.2007, 2005/15/0013, ecolex 2007/374, 888 (Bescheid aufgehoben).

Literatur dazu: Beiser, Die Gleichbehandlung einer fremdüblichen Vermietung zwischen nahen Angehörigen, SWK 2011 S 299, 347.

6. Bei Gesellschaftsverträgen zwischen nahen Angehörigen ist auf die Fremdüblichkeit der Gewinnverteilung zu achten: VwGH 16.09.2003, 2000/14/0069, ÖStZB 2004/2, 5; VwGH 26.04.2006, 2001/14/0196, ÖStZB 2006/551, 679.

7. Zum Verhältnis Verein - Vorstandsmitglied: VwGH 24.06.99, 97/15/0212, ÖStZB 1999, 694 (überhöhte Bezüge des Vorstandsmitgliedes).

8. Nicht anzuwenden ist die Angehörigenjudikatur auf das Verhältnis Geschäftsführer - GmbH: VwGH 24.09.2003, 97/13/0232, ecolex 2004/73, 140.

Hingegen ist sie anzuwenden auf Lebensgefährten: VwGH 18.04.2007, 2004/13/0025, ÖStZB 2007/500, 668.

9. Weitere Judikatur zum Thema "Angehörige": Kommanditgesellschaft:VwGH 22.09.1999, 97/15/0003, ÖStZB 2000/76; VwGH 23.03.2000, 97/15/0201, ÖStZB 2001/149. GmbH & Co KG: VwGH 27.04.2000, 96/15/0185, ÖStZB 2001/150. Ungewohnt großzügig bei GmbH & Co KG: VwGH 27.08.2002, 96/14/0144, ÖStZB 2002/783. Mietverträge: VwGH 17.12.2001, 98/14/0137, wobl 2002, 343; Darlehensverträge: VwGH 28.11.2002, 2001/13/0032, ecolex 2003/121, 271; Übertragung des Fruchtgenusses an Ehegattin ohne Regelung der Lastenverteilung: VwGH 27.06.2013, 2009/15/0219, ÖStZB 2014/134, 235.

Literatur zum Thema: Renner, Anerkennung eines "Angehörigendienstverhältnisses" trotz zu niedrigen Lohns, RdW 2005/654, 574; Leitner, Checkliste: Dienstverhältnis zwischen Ehegatten, EF-Z 2007/95, 157; Renner, Steuerrechtliche Folgen persönlicher Nahebeziehungen, SWK 2009 S 477, 403 (mit Tabellen).

10. Rechtsfolgen fremdunüblicher Gestaltungen: Die Abgabenbehörde darf die Anerkennung fremdunüblich gestalteter Betriebsausgaben nicht gänzlich verweigern, sondern sie muß schätzen: VwGH 24.10.2005, 2001/13/0237 und 0259, ÖStZB 2006/188, 239.

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