1.5.2.6.Einhalten einer Gewinnzusage

(§ 5c KSchG, ehemals § 5j)

Erweckt der Veranstalter eines Gewinnspieles bei einem Konsumenten den Eindruck, er habe bereits gewonnen, so hat der Konsument Anspruch auf Auszahlung des Gewinnes. Unklare Formulierungen gehen zu Lasten des Veranstalters: OGH 19.12.2001, 7 Ob 290/01z, wbl 2002, 177 = RdW 2002/345. Bei unklarer Gestaltung der Zusendung oder auch Zweifelhaftigkeit der Zusage erwirbt der Konsument schon dann den Gewinnanspruch, wenn er es ernstlich für möglich halten durfte, bereits gewonnen zu haben: OGH 28.02.2003, 1 Ob 303/02v, EvBl 2003/99 = RdW 2003/365, 438 = wbl 2003/229, 392. Objektiv irreführende Gewinnzusagen kann sogar derjenige einklagen, der die wahre Absicht des Unternehmers durchschaut hat: OGH 22.09.2005, 2 Ob 34/05x, ecolex 2006/48, 126.

Grundsätzliche Anmerkungen zum neuen § 5c KSchG: OGH 19.10.2016, 1 Ob 159/16p, EvBl-LS 2017/6, 46 = ecolex 2017/386, 979 (irrtümliche Gewinnzusage).

Eine Warenbestellung durch den Konsumenten ist nicht Anspruchsvoraussetzung, es genügt, wenn der Veranstalter "psychologischen Kaufzwang" ausübt: OGH 29.04.2002, 7 Ob 47/02s, ecolex 2002, 586.

Siehe auch: OGH 01.07.2003, 1 Ob 118/03i, ecolex 2003/370, 909 = RdW 2004/10, 20; OGH 01.07.2003, 1 Ob 148/03a, RdW 2003/609, 696 (Nachträgliche Aufklärung beseitigt schon entstandenen Auszahlungsanspruch nicht mehr); OGH 10.02.2004, 10 Ob 1/04a, ecolex 2004/241, 531; OGH 28.02.2005, 5 Ob 30/05f, RdW 2005/549, 485 (Aufklärungskampagnen in den Medien ändern nichts am Anspruch); VfGH 14.06.2005, G 20/05, RdW 2005/686, 612 = AnwBl 2005/8015, 524 (§ 5j KSchG verfassungskonform).

Zur kniffligen Frage, unter welchen Voraussetzungen beim grenzüberschreitenden Versandgeschäft der Konsument in seinem Heimatstaat klagen kann, siehe EuGH 11.07.2002, Rs C-96/00 Rudolf Gabriel und EuGH 20.01.2005, Rs C-27/02, wbl 2005/49, 122 Petra Engler/Janus Versand GmbH.

Gewinnzusage und Verbrauchergerichtsstand: OGH 28.07.2010, 9 Ob 90/09i, JBl 2010, 802.

Die bisherige Praxis der Rechtsschutzversicherungen, Prozesse um Gewinnzusagen nicht zu decken, war rechtswidrig: OGH 02.07.2008, 7 Ob 17/08p, ecolex 2008/375, 1019 = RdW 2008/728, 783. Siehe dazu auch Salficky, Auslegung von Versicherungsbedingungen zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses?, RdW 2008/711, 764.

  • Gewinnzusagen sind einzuhalten!, ecolex 2002, 574
  • Wie verständig ist der österreichische Konsument im Vergleich zum deutschen, RdW 2003/468, 552
  • Gewinnzusagen und verständige Verbraucher, wbl 2003, 553
  • Neues zu Gewinnzusagen, RdW 2004/348, 386; zum Gerichtsstand:
  • Irreführende Gewinnzusagen, ÖJZ 2005, 698
  • Gerichtszuständigkeit in Verbrauchersachen, ecolex 2006, 555
  • § 5j KSchG: EuGVVO und EVÜ, ÖJZ 2007/13, 129 (Dieser nicht sehr aussagekräftige Titel behandelt Zuständigkeitsfragen)
  • § 5j KSchG im System des Zivilrechts, ÖJZ 2008/33, 297
  • Rechtsnatur von Gewinnzusagen, ecolex 2008, 997
  • Der Anspruch gemäß § 5j KSchG nach Ilsinger, ecolex 2009, 641
  • Endgültig kein Verbrauchergerichtsstand bei irreführenden Gewinnzusagen nach § 5j KSchG ohne Warenbestellung, ÖJZ 2009/92, 845
  • Zur internationalen Zuständigkeit bei irreführenden Gewinnzusagen, Zak 2011/39, 23
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