9.4.7.Überlange Verfahrensdauer

1. Im Verwaltungsstrafverfahren ist überlange Verfahrensdauer festzustellen und strafmildernd zu berücksichtigen, sonst ist der Strafbescheid verfassungswidrig: VfGH 5.12.2001, B 4/01, JBl 2002, 513 (sechseinhalb Jahre); VfGH 06.06.2006, B 3593/05, AnwBl 2006/8058, 539 (Disziplinarverfahren); VfGH 02.03.2010, B 991/09, JBl 2010, 496.

Auch der Verwaltungsgerichtshof hebt Strafbescheide auf, die diesen Strafmilderungsgrund nicht berücksichtigen: VwGH 24.06.2009, 2008/09/0094, ARD 6041/10/2010. Diesen Milderungsgrund bewirkt auch eine Verzögerung der Zustellung der schriftlichen Ausfertigung eines mündlich verkündeten Strafbescheides: VwGH 26.01.2012, 2011/09/0114, ARD 6235/5/2012 (29 Monate - AuslBG).

2. Unangemessene Verfahrensverzögerungen im Zivilprozeß verstoßen gegen Art.6 Abs.1 MRK: EGMR 11.07.2002, Nr. 33.505/96, HE gg. Österreich, MRK 2003/22; so auch im Finanzstrafverfahren: EGMR 02.10.2003, Nr. 41444/98, Henning gg. Österreich.

Siehe auch den besonderen Milderungsgrund des § 34 Abs 2 StGB im gerichtlichen Strafverfahren.

3. Art. 6 MRK ist anzuwenden auf Disziplinarverfahren, in denen es um die Fortsetzung der Berufsausübung geht: EGMR 12.06.2003, Nr 60553/00, Malek gg. Österreich.

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