1.5.2.7.Wer ist Verbraucher?

1. GmbH-Gesellschafter ohne nennenswerten Einfluß auf die Geschäftsführung gelten als Verbraucher: OGH 09.08.2006, 4 Ob 108/06w, JBl 2007, 237; OGH 14.02.2007, 7 Ob 266/06b, ecolex 2007/214, 517 = wbl 2007/199, 444 = RdW 2007/550, 529 = JBl 2007, 660 (Prokurist).

2. GmbH-Geschäftsführer galten früher allgemein als Verbraucher: OGH 11.02.2002, 7 Ob 315/01a, JBl 2002, 526 [Karollus]; OGH 25.11.2003, 8 Ob 100/03v, ecolex 2004/156, 364; OGH 24.11.2005, 3 Ob 58/05h, ecolex 2006/208, 484. Angepaßt an die Rechtslage in Deutschland gelten nunmehr einzelvertretungsbefugte Geschäftsführer mit 50% Geschäftsanteilen als Unternehmer: OGH 24.06.2010, 6 Ob 105/10z, wbl 2010/244, 645 = EvBl 2011/10, 70; OGH 24.04.2012, 2 Ob 169/11h, EvBl 2012/138, 963.

Literatur dazu: Huemer, Neue Rechtsprechung zur Verbrauchereigenschaft von GmbH-Gesellschaftern, JBl 2007, 647; Harrer, Gesellschafter und Manager als Konsumenten, wbl 2010, 605; Schindler, Der GmbH-Gesellschafter als Verbraucher, Zak 2010/749, 423.

3. Bei Abschluß von Gründungsgeschäften gilt der Kaufmann noch als Verbraucher gemäß § 1 Abs.3 KSchG. Diese Ausnahmebestimmung gilt nicht nur für das erste Gründungsgeschäft, sondern für alle Geschäfte, die zur Betriebsaufnahme erforderlich sind: OGH 24.04.2003, 3 Ob 180/02w, EvBl 2003/151 = wbl 2003/276, 493.

4. Wohnrecht: Die Wohnungseigentümergemeinschaft ist Verbraucher: OGH 05.08.2003, 7 Ob 155/03z, wobl 2003/183, 337 = ecolex 2003/369, 909 = RdW 2003/607, 695 = JBl 2004, 183 (dazu Freiberger, Eigentümergemeinschaft nach WEG Verbraucher oder Unternehmer?, RdW 2004/103, 130). Zur Frage, wann ein Mieter als Unternehmer gilt: OGH 24.01.2013, 2 Ob 154/12d, immolex 2013/58, 181.

5. Vertragsübernahmen: Tritt ein Unternehmer anstelle eines Konsumenten in den Vertrag ein, so unterliegt der Vertrag nicht mehr dem KSchG. Umgekehrt genauso: Tritt ein Konsument in ein Unternehmergeschäft ein, so fällt der Vertrag ab diesem Moment unter das KSchG: OGH 31.01.2007, 7 Ob 303/06v, ecolex 2007/181, 435 = wobl 2007/140, 356.

6. Konsumentenschutz für Unternehmer: Ist es einem Unternehmer aufgrund der marktbeherrschenden Stellung seines Vertragspartners nicht möglich, innerhalb angemessener Zeit einen anderen Vertragspartner zu finden, so wendet der OGH manchmal die Bestimmungen des Konsumentenschutzgesetzes analog an: OGH 25.06.2003, 3 Ob 141/03m, RdW 2003/605, 694 (Aufrechnungsverbot - § 6 Abs.1 Z.8 KSchG).

Unternehmergeschäfte bleiben Unternehmergeschäfte, auch wenn der Unternehmer später (etwa durch Schließung des Unternehmens) zum Verbraucher wird: OGH 15.04.2008, 5 Ob 282/07t, RdW 2008/590, 646 (Bürgschaft).

7. Verfahrensrecht: Wer sich auf den Schutz des KSchG beruft, muß das Vorliegen der Vorausetzungen beweisen: OGH 18.02.2010, 8 Ob 84/09z, EvBl-LS 2010/93, 569 = RdW 2010/432, 399. Dabei genügt manchmal schon der Anscheinsbeweis. Diesfalls ist dem Gegner Gelegenheit zu geben, den Gegenbeweis zu erbringen, um so den Anschein zu entkräften: OGH 05.06.2008, 9 Ob 22/07m, RdW 2008/655, 711.

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