1.6.13.Schutz von Ehre und Privatsphäre

Das Zivilrechts-Änderungsgesetz 2004 (BGBl I 91/2003) mit Wirkung ab 1.1.2004 schafft einen erweiterten Schutz der Privatsphäre insbesondere vor Bloßstellungen. Für Bloßstellungen durch Medien ist diese Bestimmung aber ausdrücklich nicht anzuwenden: § 1328a ABGB.

Literatur dazu: Helmich, Schadenersatz bei Eingriffen in die Privatsphäre, ecolex 2003, 888.

Zur heiklen Frage, ob Zeitungen in Prozeßberichten die Namen von Zeugen nennen dürfen: OGH 15.02.2007, 6 Ob 266/06w, ecolex 2007/207, 511 (Haban-Mord).

Gegen unwahre Behauptungen kann ein Schadenersatz-, Feststellung-, Widerrufs- und Veröffentlichungsbegehren erhoben werden. Grobes Verschulden ist nicht erforderlich; es genügt, wenn der Behauptende bei angemessener Sorgfalt die Unwahrheit seiner Behauptungen erkennen hätte können: OGH 16.12.2013, 6 Ob 143/13tg, RdW 2014/357, 328 (standeswidriges Verhalten). Zur Mindestpublizität rufschädigender Äußerungen: OGH 28.02.2017, 9 ObA 14/17z, ARD 6549/6/2017 (serbokroatisch).

Erwirkt der Beleidigte ein Unterlassungsgebot gemäß § 1330 ABGB, so berechtigt ihn dieser Unterlassungstitel noch nicht dazu, im Exekutionsverfahren auch die Beseitigung der ehrverletzenden Medien zu verlangen. Der OGH (18.12.2002, 3 Ob 215/02t, Unsere Klestils, EvBl 2003/77 = wbl 2003/177, 290 = RdW 2003/360, 435) lehnt eine Analogie zum Wettbewerbsrecht (§ 15 UWG) ausdrücklich ab. Kritisch dazu: Klicka, wbl 2003, 260.

Zur Haftung des Herausgebers und Chefredakteurs einer Zeitung: OGH 19.3.2015, 6 Ob 143/14v.

Definition des höchstpersönlichen Lebensbereiches OGH 20.01.2014, 4 Ob 216/13p, wbl 2014/82, 237 (Wohnverhältnisse).

Die Behauptung, eine Person gehe der Prostitution nach, betrifft ihren höchstpersönlichen Lebensbereich (§ 7 Abs 1 MedienG): OGH 13.11.2013, 15 Os 11/13a, EvBl 2014/34, 231. Unzulässige Bekanntgabe der Privatadresse eines Rechtsanwaltes: OGH 17.02.2014, 4 Ob 124/13a, wbl 2014/83, 238 (Kaminbrand).

Zur Sorgfaltspflicht des Administrators einer Facebook-Seite: OGH 29.4.2015, 15 Os 14/15w.

Haftung des Providers für die Verbreitung kreditschädigender Äußerungen: OGH 19.02.2004, 6 Ob 190/03i, EvBl 2004/156; für den Betreiber eines Online-Gästebuches: OGH 21.12.2006, 6 Ob 178/04a, ecolex 2007/82, 190 = RdW 2007/300, 276.

  • Besondere Kontrollpflicht für Host-Provider, ecolex 2007, 189
  • Persönlichkeitsschutz in Neuen Medien – Facebook, Google & Co, AnwBl 2013, 11

Für beleidigende Äußerungen seines Rechtsanwaltes haftet der Klient nur dann, wenn er diesen dazu angestiftet hat: OGH 27.04.2006, 6 Ob 84/06f, RdW 2006/580, 625

  • Das Recht auf Schutz der Persönlichkeitsrechte vor Verletzungen durch mediale Berichterstattung, ÖJZ 2010/14, 113
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