Mobbing beenden

Mobbing ist ein zwischenmenschliches Phänomen, dessen Spielarten ebenso individuell sind wie die darin verstrickten Individuen. Wir finden es nicht nur am Arbeitsplatz vor, sondern besonders auch in der Schule, in der Familie und überall dort, wo Menschen aufeinander angewiesen sind. Das Gemeinsame für Mobbing am Arbeitsplatz definiert der OGH so:

Bei Mobbing handelt es sich um eine konfliktbelastete Kom­muni­ka­tion am Arbeitsplatz unter Kollegen und Kolleginnen oder zwi­schen Vorgesetzten und Untergebenen, bei der die angegriffene Person unterlegen ist und von einer oder einigen Personen sy­ste­ma­tisch, oft und während längerer Zeit mit dem Ziel und/oder dem Effekt des Ausstoßes aus dem Arbeitsverhältnis direkt oder indirekt angegriffen wird und dies als Diskriminierung empfindet. Für Mobbing ist das sy­ste­ma­ti­sche, ausgrenzende und prozesshafte Geschehen über einen längeren Zeitraum typisch, etwa durch systematische Verweigerung jeder Anerkennung, Isolation, Zurückhaltung von Informationen, Rufschädigung etc. Die große Bandbreite möglicher Mobbinghandlungen entzieht sich einer vollständigen Aufzählung.OGH 26.11.2012, 9 ObA 131/11x.

Mobbing ähnelt einem Spiel, dem individuelle Regeln zugrunde liegen und nach denen es mit erstaunlicher Präzision gespielt wird. Dem Mobbingopfer sind diese Spielregeln meist nicht bewußt. Fast immer sind sie so angelegt, daß das Opfer das Spiel chancenlos verlieren muß. Um Mobbing zu beenden, bedarf es konsequenter und systematischer Arbeit in mehreren Schritten:

Im ersten Schritt geht es darum, diese unbekannten Spielregeln zu erforschen und zu verstehen. Dieser Prozeß wird unterstützt durch ein Mobbing-Tagebuch, in das die Betroffene jede gegen sie gerichtete Mobbinghandlung gewissenhaft einträgt. Dieses Mobbing-Tagebuch ist nicht nur ein wertvolles Hilfsmittel, um das System des konkreten Mobbingszenarios zu durchschauen, sondern es ist auch wichtiges Beweismittel in einem allfälligen späteren Gerichtsverfahren.

Im zweiten Schritt beginnt das Opfer, gezielt gegen einzelne Spielregeln zu verstoßen. Diese Verstöße müssen echte Verstöße sein und nicht solche, die im Spielplan bereits vorgesehen sind. Um zu vermeiden, daß Spielverstöße auch die Form von Rechtsverstößen annehmen, ist die fachkundige Anleitung des Rechtsanwaltes unentbehrlich. Im dritten Schritt muß die – oft schon sehr geschwächte – Rechtsposition des Opfers gestärkt werden. In den meisten Fällen endet an diesem Punkt das Mobbing gegen den Klienten und die Täter suchen sich andere Opfer aus. In den übrigen Fällen ist damit zu rechnen, daß die Täter nun beginnen, Fehler zu machen, wodurch sich die Aussichten des Klienten, das Mobbing vor Gericht zu beweisen, entscheidend verbessern.

Diese ▸ Arbeit erstreckt sich über einen Zeitraum mehrerer Wochen oder Monate. Versuche, diese notwendige Zeit abzukürzen oder den Fall nach herkömmlicher Weise einfach dem Anwalt zur aktenmäßigen Bearbeitung zu übergeben, führen nur sehr selten zum erwarteten Erfolg. Denn: Mobbing ist vor Gericht erst dann beweisbar, wenn dem Täter Fehler unterlaufen sind.